Der Alltag zwischen Pflege und Schule kann sich manchmal sehr schwer anfühlen. Da ist einem nicht immer zum Lachen zumute, oder? Carmen Goglin erklärt, warum Lachen gerade in solchen Momenten hilfreich sein kann. Sie ist Lachtrainerin und zeigt in ihren Kursen und Videos, wie absichtliches Lachen den Kopf vom Grübeln befreit. Erfahre hier, wie du dir mit schnellen Tricks etwas Leichtigkeit verschaffst.
Sie arbeiten als Lachtrainerin und bieten Lachyoga an: Was genau ist darunter zu verstehen?
Lachyoga ist ein einzigartiges Konzept, das es jedem ermöglicht, ohne Grund zu lachen. Dazu braucht es weder Humor noch Witze oder Comedy. Wir beginnen mit einem absichtlichen Lachen. Durch den Blickkontakt und die ansteckende Wirkung des Lachens geht dieses absichtliche Lachen schnell in ein natürliches Lachen über – wenn man das möchte. Durch das Lachen nimmt der Körper mehr Sauerstoff auf, wodurch wir uns schnell vitaler und gesünder fühlen. Das Konzept des Lachyogas basiert auf der wissenschaftlichen Tatsache, dass der Körper nicht zwischen simuliertem und echtem Lachen unterscheiden kann. Der physiologische und psychologische Nutzen ist derselbe. Als Lachtrainerin leite ich Gruppen an, erzähle viel über die positiven Aspekte des Lachens und trage dazu bei, Lachen in der Welt zu verbreiten.
Sie haben selbst den Weg aus einer Depression gefunden – mit Lachyoga als wichtiger Stütze. Welche Wirkung hat Lachen auf unseren Körper und unsere Psyche?
Lachen kann die Stimmung innerhalb weniger Minuten verändern, indem es Endorphine freisetzt. Dadurch fühlt man sich gut – und wenn man gut gelaunt ist, gelingt alles besser. Lachen reduziert Stress, stärkt das Immunsystem und mobilisiert die Selbstheilungskräfte. Mit einem starken Immunsystem wird man nicht so schnell krank, und bei chronischen Gesundheitsproblemen hilft es, schneller zu heilen. Für mich persönlich ist der größte Gewinn, dass man nicht gleichzeitig grübeln und lachen kann. Beim Lachen ist man im Hier und Jetzt und entspannt sich automatisch. Ein weiterer Vorteil ist, dass man lernt, über sich selbst und seine Lebensumstände zu lachen. Durch das Lachtraining bin ich mir wieder selbst nähergekommen und konnte nach und nach meine Gefühle mehr zulassen.
Gibt es eine Brücke, also eine kleine Geste, die dem Lachen vorausgeht und den Einstieg erleichtert?
Beim Lachyoga nähern wir uns dem Lachen über den Körper. Dafür gibt es Übungen, die ich in meinen Videos zeige. Am Anfang funktioniert das „Sich-ins-Fäustchen-lachen“ sehr gut, das kennen wir bereits als Sprichwort. Mit der imaginären Lachkurbel kann man sich gut in ein Lachen „hineinkurbeln“. Und das Löwen-Lachen lädt dazu ein, sich selbst, der Situation und den anderen einfach mal die Zunge rauszustrecken. Für mich sind solche Übungen wie eine Krücke, um leichter mit dem Lachen anfangen zu können. Wir verbinden eine Alltagsbewegung oder ein Sprichwort mit einem Lachen – und schon haben wir eine Lachübung. Am Anfang steht immer die eigene Entscheidung: Ja, ich will lachen! Dann kommt die Übung dazu und los geht’s. Was am Anfang Überwindung kostet, kann mit etwas Training schnell den eigenen Zustand verbessern.
Viele Jugendliche, die zu Hause jemanden pflegen, fühlen sich schuldig, wenn sie lachen oder Spaß haben. Was sagen Sie diesen jungen Menschen?
Der wichtigste Mensch in deinem Leben bist du selbst! Nur wenn es dir gut geht und du gut für dich selbst sorgst, kannst du auch andere unterstützen. Lachen ist für mich zu einer Methode geworden, mit der ich mir schnell und ohne großen Aufwand etwas Gutes tun kann. Als Mama und Oma wünsche ich mir, dass es meinen Kindern und Enkeln gut geht. Das wünschen sich eure Eltern sicher auch für euch.
Zwischen Schule, Hausaufgaben und Pflege bleibt oft kaum Zeit. Was kann man in kurzer Zeit machen, um die Stimmung ein bisschen aufzuhellen?
Dafür sind Lachübungen super: Sie dauern nur 30 bis 60 Sekunden und verbessern sofort den mentalen Zustand. In guten Zeiten kann jeder lachen. Lachyoga lehrt uns jedoch das bedingungslose Lachen. Dadurch ist es möglich, auch in belastenden Momenten zu lachen. Es verleiht uns in schwierigen Zeiten Stabilität und hilft uns, eine positive Lebenseinstellung zu bewahren – ungeachtet der äußeren Umstände.
Was kann ich tun, wenn ich merke, dass mir alles über den Kopf wächst: Gibt es einen „Notfall-Trick“ mit Humor, der den Druck sofort rausnimmt?
Ich würde das „Problem-weglachen-Lachen“ machen. Dabei legt man sich das vermeintliche „Problem“ auf die Hand, holt mit der anderen Hand aus und zerdrückt das imaginäre Problem mit beiden Händen – natürlich lachend. Zum Schluss kickt man das Problem lachend mit einer Hand in den Himmel. Eine weitere Möglichkeit wäre, sich eine Lachpartnerin oder einen Lachpartner zu suchen und gemeinsam die Lieblingslachübung zu machen.
Wenn unsere Leserinnen und Leser heute eine Sache ausprobieren wollen, um sich leichter zu fühlen: Was ist Ihr wichtigster Tipp?
Als Lachtrainerin empfehle ich, mehr zu lachen – egal, ob durch lustige Filme, Bücher, Comedy oder Lachtraining. Jedes Lachen verschönert unsere Welt und bringt etwas mehr Leichtigkeit in unser Leben. In diesem Sinne: Lacht’s gut und auf Wiederlachen!
Bildrecht: ©Carmen Goglin



